Die Hochschule trauert um Rudolf Tutz

Nur äußerst selten geschieht es, dass ein Mensch, der an einer Hochschule weder studiert noch lehrt, dennoch auf eine ganz eigene und Art und Weise ein Teil von ihr wird. Der auf historische Holzblasinstrumente spezialisierte Innsbrucker Instrumentenbauer Rudolf Tutz – eine Koryphäe in der internationalen Szene – hat zahlreiche Generationen Trossinger Studierender geprägt, darunter nicht nur die vielen, die bei seiner Frau Prof. Linde Brunmayr-Tutz Traverso oder bei Prof. Chen Halevi moderne und bei Prof. Dr. Ernst Schlader historische Klarinette studierten. Auch für viele Lehrende war er eine bedeutende Bezugsperson. Vor wenigen Tagen starb Rudolf Tutz 76-jährig nach schwerer Krankheit. Auch in Trossingen werden wir ihn schmerzlich vermissen und denken an ihn mit großer Dankbarkeit und Achtung. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Frau Linde, seinen Angehörigen und vielen Freunden.

Nachrufe, die uns erreichten, mögen helfen ein Bild dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit zeichnen:

Ein großer Mensch ist von uns gegangen.

Ein großer Mensch, nicht nur in seiner Statur, sondern auch in seinem Herzen: Rudolf Tutz, der weltberühmte Klarinetten- und Flötenmacher, ist von uns gegangen. Er hinterlässt uns nicht nur seine Instrumente, sondern auch seine Einsichten zum Leben und zur Musik.

Sein ganzes Leben stand im Zeichen seiner Kunst, dem Bau von Musikinstrumenten. Er diente der Musik. Sein Leben lang. Indem er immer arbeitete, um Musikern, jung und alt, gute wohlklingende Instrumente zu fertigen. Indem er mit jungen Kollegen Forschung betrieb, um Instrumente aus alten Zeiten neu zu erfinden, sozusagen „zurück zu finden“ in jene historischen Zeiten. Indem er um die Welt reiste, von Kurs zu Ausstellung zu Messe zu Konzert, immer eine Klarinette oder Traversflöte im Gepäck dabei, zum Verschenken, zum Verkaufen. Indem er Klassenabende seiner Frau, Prof. Dr. Linde Brunmayr-Tutz, oder seinem Freund Dr. Ernst Schlader besuchte, danach aber noch zurück nach Innsbruck fuhr, um in seiner Werkstatt ein Instrument fertig zu bauen. Indem er uns vorlebte, dass der Weg das Ziel sei, zur Erkenntnis, zum Glück – und nicht umgekehrt.

Ich erinnere mich, dass er einem russischen Flötisten eine Traversflöte gebaut hatte. Die Vereinbarung war, dass der junge Flötist mit seinen Ersparnissen diese Flöte zahlen würde. Als Tutz dem jungen Mann nach mehreren Monaten die Flöte übergeben wollte, hatte dieser nur einen Bruchteil dessen sparen können, was Tutz‘s Flöte in Westeuropa gekostet hätte. Rudolf Tutz aber erkannte den Fleiß und die Mühe, die der junge Mann aufgewendet hatte, und überließ ihm die Flöte dennoch. Das war groß, das war sehr großzügig – und typisch für ihn.

Rudolf Tutz mochte die Menschen, die sich Mühe geben, die sich für etwas einsetzen und die sich auf die Suche begeben im Leben. Er mochte nicht die Menschen, die nur auf den schnellen Erfolg aus waren. Noch bei unserer letzten Begegnung vor ca. zweieinhalb Wochen hielt er eine flammende Rede für gut klingende Konzertsäle und gut gespielte Instrumente, und das, obwohl er da schon stark gezeichnet war von seiner letzten Krankheit, einer der wenigen Krankheiten, die er in seinem Leben überhaupt hatte.

Rudolf Tutz war für alle, die ihm begegnen durften, ein ausgesprochen authentischer Mensch, mit hohen Ansprüchen an sein Leben und die Kunst, mit einem weiten Herzen für junge und alte Idealisten. Er war ein bedeutender Förderer der Musikhochschule in Trossingen und dessen Institut für Alte Musik. Wir trauern um diesen großen Verlust und wir sprechen unser zutiefst empfundenes Beileid aus.

Im Namen des Instituts für Alte Musik der Staatliche Hochschule für Musik Trossingen
Prof. Marieke Spaans, Institutsleiterin

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Once upon a time... giants were strolling among us. But still, in magical Fleeting moments, one can still meet one. Rudi was a giant, and followed his giant rules, sometimes not understood by other humans. He had his giant ideas, and was acting with an inner freedom, that can not be imitated. Giants can not bend, only snap. The reverberation of his fall made his beloved trees in the Austrian alps and the Black Forest shiver. He left with a big smile to a better giant world, knowing that his creations will be breathing life for many years to come.

Prof. Chen Halevi (Klarinette, Staatliche Hochschule für Musik Trossingen) 

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Rudi for us was a man with a great and big heart. Throughout my time in Trossingen he was always ready to help students with his knowledge, experience and craftsmanship. Without his help and generosity the Trossingen historical clarinet class would simply not exist. His beautifully and ingeniously built instruments are and always will be the core of the class. We will keep him in our memories.

For us in the Ensemble TutzFrequenz it is a loss difficult to describe. We have lost our friend, mentor and patron. Just a few months ago we all met Rudi in one of our concerts and were once again amazed by his wit and vitality. It seems like ages ago now. May he rest in peace. 

His passion and love for art and beauty will live on in the wonderful instruments he made. The instruments of Rudi are being played and treasured all around the world. The memories of Rudi will be cherished in hearts of everyone who had the privilege to meet him.  

Jānis Tretjuks
(Absolvent der Klassen Prof. Chen Halevi und Prof. Dr. Ernst Schlader, Mitbegründer des Ensembles TutzFrequenz, Lehrbeauftragter für Historische Klarinette am Institut für Alte Musik Trossingen)

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Today the world lost an incredible human being and the most beautiful soul. No words could ever express the pain I feel today as I have lost a true friend, a mentor, for me the very best of Period Instruments maker ever and I would even dare to say the Austrian grandfather I never had. God rest your soul Prof. Rudolph Tutz. I would like to strengthen the hearts of his Family, Friends, colleagues and especially his wonderful wife Linde. May you know sorrow no more! Shalom dearest Rudi, Yehi Zichero Baruch! 

Teddy Ezra
(Absolvent der Klassen Prof. Chen Halevi und Prof. Dr. Ernst Schlader und Mitbegründer des Ensembles TutzFrequenz)

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I met Rudi six years ago in Trossingen. Full of energy, full of passion for music and sound, truly one of a kind. His instruments changed the way I think about music and the clarinet. They deepened my understanding of the history and intension behind them, opening for me a whole new world of possiblities. He was so kind and generous to so many musicians, always helping and supportive.
Five years ago we founded our ensemble: TutzFrequenz. As we all play Rudi's wonderful instruments, it was only natural to name our ensemble after him.
Two years ago we celebrated Rudi's 75th birthday in Vienna, with an unforgettable concert.
Last March he came with his wife Linde to Israel, to participate in a masterclass and workshop at the Jerusalem music centre and two months ago he came all the way from Innsbruck to Tingen to hear our klezmer concert. 
We all lost a wonderful person, a pioneer in his field, ever growing, a true music lover.
Thank you Rudi for everything, – we will never forget you. Your soul will be with us in each sound we will play.
Rest in peace

Ido Azrad
(Absolvent der Klassen Prof. Chen Halevi und Prof. Dr. Ernst Schlader und Mitbegründer des Ensembles TutzFrequenz)

 


MH Trossingen