Verabschiedung und Ehrung des Hochschulratsvorsitzenden Prof. Michael Ungethüm

In diesen stürmischen Sommerwochen endete auch die Amtszeit von zwei bedeutenden externen Hochschulratsmitglieder der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen. Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Michael Ungethüm, Hochschulrat der ersten Stunde und seitdem auch Vorsitzender dieses Gremiums sowie Landtagspräsident Guido Wolf, der zu Beginn der Amtszeit vor drei Jahren noch als Landrat des Kreises Tuttlingen tätig war, verlassen die kleine und einzige Hochschule im ländlichen Raum. Prof. Ungethüm wurde vom Senat zum Ehrensenator ernannt.

Prof. Michael Ungethüm und Rektorin Prof. Elisabeth Gutjahr (3. und 2. v.r.) mit Prorektor Prof. Wolfgang Wagenhäuser, Prorektor Prof. Michael Hampel, AStA-Vertreterin Tabea Booz, dem scheidenden Hochschulrat Guido Wolf MdL und AStA-Vertreter Andreas Brand (v.l.n.r.)

„Während der letzten Wochen und Monate“, so stellte die Rektorin der Hochschule, Prof. Elisabeth Gutjahr am Mittwoch, 30. Oktober in einer gemeinsamen Sitzung von Hochschulrat und Senat fest, „erschütterte eine riesige Welle der Empörung und des Protestes das Land, als eine Degradierung dieser Hochschule oder möglicherweise eine Schließung auf Raten in Aussicht stand.“ Die Musikhochschule Trossingen als „die etwas andere Hochschule“ genieße große Anerkennung und Beliebtheit nicht zuletzt dank ihrer besonderen Vernetzung in der Region, ihrer exzellenten Qualität und ihrer großen Innovationskraft. In diesem Sinne und angesichts des „Trossinger Herbstes“ war auch der scheidende Hochschulratsvorsitzende Prof. Ungethüm in seiner Abschiedsrede ebenso zuversichtlich wie überzeugt: „Der Drachen steigt erst richtig im Gegenwind.“

So war es der Trossinger Hochschulrat, der als erster mit einer öffentlichen Resolution auf das Eckpunktepapier der Ministerin vom Juli reagierte. Der langjährige Hochschulratsvorsitzende Prof. Ungethüm hatte sein Ausscheiden aus Altersgründen schon vor langer Zeit bekannt gemacht. Dass sein Abschied von solch' einem dramatischen Szenarium umrahmt werden würde, konnte niemand ahnen. Ein großes Kapitel neigt sich dem Ende zu: die Ära Ungethüm. Er hat wie kein anderer diesem Gremium Form und Profil gegeben, die Hochschule durch bewegte und ereignisreiche Jahre geführt. Die erste große Einsparungsauflage des Landes erreichte Trossingen unmittelbar zu Beginn seiner Amtszeit im Jahre 2000. Unter Ungethüm wurden der erste und der zweite Struktur- und Entwicklungsplan der Hochschule beschlossen, in seiner Amtszeit wurde nicht nur der vierte Bauabschnitt, der „Blaue Schuhkarton“ bzw. die „Blue Box“ wie ihn die Trossinger freundlich nennen, erbaut und in Betrieb genommen, auch ein neues Landeshochschulgesetz trat in Kraft mit der Auflage zu Bologna-Reform und verstärktem Unternehmertum. Der Wissenschaftler und Unternehmer leitete die Findungskommissionen zur Neubesetzung von Rektor- und Kanzleramt (2005/6 und 2007), er begleitete und beförderte die erfolgreichen Anträge im Ausbauprogramm Hochschule 2012, im Innovations- und Qualitätsfonds Baden-Württemberg (IQF) und im Qualitätspakt der Lehre des Bundes. Als die Bundesrektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen 2010 in Trossingen tagte, lud er großzügig die gesamte Konferenz zu Konzert und Empfang ins Aesculapium nach Tuttlingen ein.

Der Senat der Hochschule dankte Herrn Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Ungethüm an diesem Tag mit der Verleihung des Titels „Ehrensenator“. Noch im Wintersemester sollen Abschied und Würdigung mit einem Konzert gefeiert werden.

Von sieben Hochschulratsmitglieder sind vier Mitglieder extern und drei intern. Bislang wurden für die externen Positionen Vertreter aus den vier gesellschaftlichen Bereichen Wirtschaft, Kunst, Medien und Politik gesucht. Im Bereich Politik wurden rotierend alle umgebenden Landkreise berücksichtigt. 2010 wurde Guido Wolf MdL, vormals Landrat, heute Landtagspräsident in das Amt des Hochschulrats gewählt. Mit Engagement und Besonnenheit, präziser Analyse und freundlicher Unterstützung brachte er seine Kompetenz und Erfahrung in das Gremium. Seine Unterstützung ließ auch mit Ende der Amtszeit nicht nach. Das Amt des Landtagspräsidenten verlangt den Abschied, seine Aufgaben als Hochschulrat aber nahm Wolf bis zum Schluss als positive Herausforderung.

Die letzte offizielle Hochschulratssitzung unter dem Vorsitz von Prof. Ungethüm fand am 15. Juli 2013 statt. Zeitgleich informierte der Staatssekretär im MWK in Stuttgart die Musikhochschulrektoren über die Pläne zur Strukturreform der Musikhochschullandschaft in Baden-Württemberg. In einer Sitzungspause übermittelte die Rektorin Prof. Elisabeth Gutjahr dem Hochschulrat telefonisch die Nachricht. Damit war die Tagesordnung gesprengt und der Hochschulrat beriet unverzüglich über die Bedeutung und die Konsequenzen für den Standort. Sofort verständigte man sich auf die Leitgedanken einer Resolution, die am nächsten Tag öffentlich gemacht wurde. Nun, drei Monate später hat sich das Blatt gewendet. Die Diskussion um die Weiterentwicklung der Musikhochschullandschaft wurde mit der Anhörung am 16. Oktober neu orientiert. Sie wird im Rahmen der Vereinbarungen für den Solidarpakt III zu einer Entscheidung geführt werden. Bis dahin aber ist noch ein weiter Weg.

In einer kurzen, rückblickenden Rede verglich der scheidende Hochschulratsvorsitzende Prof. Ungethüm Hochschulen mit „tief wurzelnden, langsam wachsenden, hartholzproduzierenden Baumriesen“, denen man mit „Versetzungsversuchen, dem rabiaten Kappen von Stammholz,
Kronen und Ästen unwiederbringlichen Schaden zufügt und den Tod auf Raten beschert“. Seine Empfehlung an die handelnden Politiker angesichts der Kürzungspläne in der Musikhochschullandschaft führte den Vergleich fort: „Hochschulpolitik ist wie die Forstwirtschaft ein nachhaltiges Geschäft, muss über Generationen hinweg geplant werden, darf nicht als Spielball im kurzen Wechsel der Legislaturen den Wetterfahnen der Parteipolitik ausgeliefert werden.“ Für Ungethüm, so sein Credo zum Schluss der Ansprache, seien die verschiedenen Lebensbereiche der Arbeit, Wissenschaft, Kunst, Kultur und Religion untrennbar miteinander verflochten. In ihnen verlaufe die Blutbahn unserer Kulturnation und sie seien die Fundamente einer auf Wissen, Innovationskraft, spezifisches Berufskönnen und allgemeiner Mündigkeit aufbauenden Bürgergesellschaft.

Für die Rektorin Prof. Elisabeth Gutjahr stellen sich derzeit folgende Fragen: „Welche Aufgaben kommen nun den Gremien der Musikhochschule zu? Was ist zu bedenken? Wo liegen Chancen und Gefahren?“ Mit Rückblick auf die letzten Wochen haben sich am 30. Oktober 2013 die Mitglieder des Hochschulrats und der Senat der Hochschule mit Prof. Michael Ungethüm, Guido Wolf und Bürgermeister Dr. Clemens Maier über diese Fragen ausgetauscht. Das Rathaus hat für die Gesprächsrunde den großen Sitzungssaal zur Verfügung gestellt. Die Hochschule dankt den Hochschulräten für das Engagement und die Energie, die sie dem Amt und der Hochschule gewidmet haben sehr herzlich.

In seiner Novembersitzung wird der Senat voraussichtlich die neuen Hochschulräte wählen.


MH Trossingen