Early Music East and West - Cultural exchange with the Nanchang University

Trossinger Studierende zum Gegenbesuch in Nanchang, China (19. bis 27. April 2009)
Ein Bericht von Pia Pircher


Einen Austausch mitzumachen bedeutet, sich über die eigenen Werte, Traditionen, Utopien und Ideale bewusst zu werden und weiters, diese Dinge vermitteln, weitergeben zu können, darüber zu diskutieren und für die fremden, anderen Ansichten offen zu sein.
Im Zuge des Projektes Early Music East and West, Masque of Temperaments hatten wir, Studierende des Instituts für Alte Musik, nun die Möglichkeit, mit der chinesischen Partnerhochschule in Nanchang in einen solchen Austausch zu treten. Anfang Februar 2009 hatten wir erstmals die Gelegenheit, die chinesischen Studierenden kennen zu lernen, als das Ensemble der Universität Nanchang uns in Trossingen besuchte und wir gemeinsam Aufführungen erarbeiteten. Nun hatten wir im April die Möglichkeit zu einem Gegenbesuch in China.
Das heutige Weltbild Chinas, bevölkerungsreichste Nation und wirtschaftlich blühend, ist einerseits durch eine eher prekäre Tagespolitik, andererseits durch seine allgegenwärtigen Traditionen und alte Kultur, als Schlagwörter sein an dieser Stelle die traditionelle chinesische Medizin, Philosophie und Bewegungskunst, die kulturellen Schätze des Landes, die lange Schriftkultur und traditionelle Kunst genannt, geprägt. Die Aussicht, dieses Land nun nicht nur als Tourist kennen zu lernen, sondern im Zuge eines Austausches auch mit Menschen und deren Beziehung zu den fernöstlichen Traditionen in Berührung zu kommen, war faszinierend.
Darüber hinaus war es für uns als Musikerinnen und Musiker eine Gelegenheit, mit einem ganz anderen Konzertbetrieb in Berührung zu kommen und das Bewusstsein für die Aufführung von Musik zu erleben. So ist es für uns etwa sehr ungewohnt, dass unser Publikum redet, trinkt oder isst während der Aufführung.
Ebenfalls spannend war das Berührungsfeld Alte Musik und historische Aufführungspraxis: Das für uns mittlerweile doch beinahe selbstverständliche Bewusstsein für originalgetreue, historische informierten Aufführung ist in China noch nicht weit fortgeschritten. Diese noch fehlende Sensibilisierung für historische Bausubstanz und der Wert diese zu erhalten ohne zu modernisieren.
Doch anders als bei uns ist in China Tradition fest in den Alltag integriert, es werden zum Beispiel traditionelle Techniken gebraucht und traditionelle Bewegungskunst und Medizin selbstverständlich angewandt, wobei wir hier im Westen erst uns langsam wieder auf Traditionen rückbesinnen und sie wiederbeleben.
Doch welche Erinnerungen werden uns bleiben, neben diesem interkulturellen Austausch?
Die gewaltigen Gegensätze des Landes, wie etwa in Shanghai die atemberaubende Skyline im Stadtviertel von Pudong, die mehr oder weniger fertig gestellten, verlassenen Quartiers und das hektische Treiben in den Yu-Gärten mit dem chinesischen Markt, werden meine Erinnerungen prägen.
Ein weiteres Erlebnis war der Besuche einer traditionellen chinesischen Oper in Shanghai, die eine unglaubliche Abwechslung von Akrobatik, Musik, Tanz und Schauspiel darstellt.
Die Natur in Verbindung mit den religiösen Aspekten in Lu Shan, Weltkulturerbe der UNESCO, das auch politgeschichtliche interessant ist mit der ehemaligen Villa von Chiang Kaishek und der gegenwärtigen Präsenz von Mao. Die unglaubliche Gastfreundschaft und Offenheit, mit der wir empfangen wurden und die Kontakte, die zwischen uns entstanden, die zum Abschied zu wirklich herzzerreißenden Szenen geführt hat, ist eine intensive Erinnerung.
Ein weiteres Unikum war bestimmt die Esskultur: Mittlerweile ist das Essen mit Stäbchen für uns kein Problem mehr und die runden Tische mit der Drehplatte in der Mitte rufen eine sehr gesellige Tischkultur hervor, die selbst bei den vielen offiziellen Essen immer gute Stimmung gebracht hat.
In Summe dokumentieren wohl am besten etwa 2000 Fotos die Reisen, aus unserer Mimik erkennt man die Freude, die wir trotz kontinuierlichen Schlafentzug und Jetlag hatten.
Last but not least gilt ein großer Dank all jenen, die diese Reise organisiert, ermöglicht und begleitet haben.

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