Musiktheorie im Kontext. August Halm

Stand: April 2017

August Halm (1869-1929)

ist heute bekannt als Mitbegründer der neueren Form musikalischer Analyse. Er selbst verstand sich in erster Linie als Komponist. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Musiklehrer (vorwiegend) an Reformschulen und als Musikschriftsteller.  

Die Reihe seiner Buch-Publikationen umfasst:

• die "Harmonielehre" aus dem Jahr 1900, die bereits einige wesentliche Elemente seines Musikbegriffs exponiert,

• das Hauptwerk, bestehend aus einer Trilogie, nämlich aus den selbständigen Büchern "Von zwei Kulturen der Musik" (1913), "Die Symphonie Anton Bruckners" (1914) und der Aufsatzsammlung „Von Grenzen und Ländern der Musik“ (1916),

• eine "Einführung in die Musik" (1926) und die Monographie "Beethoven" (1927), in denen Halm seine Auffassungen in einigen Punkten modifiziert hat.  

Halms musiktheoretische Einsichten wurden von Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Carl Dahlhaus, Rudolf Stephan und Anderen aufgenommen. Seine "Klavierübung" war vor dem Zweiten Weltkrieg in Süddeutschland ein gern benutztes Lehrwerk.    

Das Forschungsprojekt "Musiktheorie im Kontext: August Halm" steht unter Leitung von 
Prof. Dr. Thomas Kabisch.

Im Rahmen dieses Projekts

• wird erstens die kritische Edition wichtiger, auch bislang unveröffentlichter Schriften von Halm vorbereitet,

• wird zweitens Halms Theorie der Musik in ihren vielfältigen historischen Zusammenhängen untersucht. 

Edition der Schriften August Halms  

Die Bände der Edition werden, bis auf die Klavierübung, in der Publikationsreihe des Staatlichen Instituts für Musikforschung Berlin erscheinen. Folgende Bände sind in Vorbereitung:

Klavierübung  

Die Anfänge der Klavierübung lassen sich zurückverfolgen in die Zeit nach 1903, als Halm an reformpädagogischen Schulen in Thüringen als Musiklehrer tätig war. Sie erschien 1918/19 im Druck und stellt den Glücksfall eines Unterrichtswerks dar, in dem der Umgang mit dem Instrument, das Eindringen in die Grundlagen der Musik und die Arbeit an Kunstwerken verbunden sind. (In einer Neufassung, die 1928 erscheint, ist das ursprüngliche Konzept verwässert.)  

Halms Klavierübung kann auch heute von erwachsenen Anfängern oder von Studenten, die Klavier als Nebenfach studieren, mit Gewinn benutzt werden. Sie wird als Reprint erscheinen mit begleitenden Texten zur praktischen Benutzung (Martin Widmaier), zu ihrer Stellung in der Geschichte der Klavierdidaktik (Linde Großmann) sowie zu Quellen und musiktheoretischen Kontexten (Thomas Kabisch).    

Konzertberichte 1901-1903 und 1913/1914  

Diese Texte sind seit ihrer Erstpublikation in Stuttgarter Zeitungen nicht wieder gedruckt worden. Die Konzertberichte 1901-1903 waren gar völlig in Vergessenheit geraten und bis zu ihrer Wiederentdeckung im Zuge der editorischen Arbeiten 2006 auch der Forschung unbekannt. Sie sind von Interesse als Dokumente einer Art von Musikkritik, in der die Musik im Zentrum steht – nicht die Interpreten. Sie sind zugleich eine Quelle für das Verständnis der Halmschen Theorie der Musik, etwa seines Bruckner-Bildes.  

Die Edition der Texte ist von einem umfangreichen Kommentarteil begleitet, in dem Varianten aus handschriftlichen Fassungen mitgeteilt, Hinweise zu Ausführenden, Aufführungsorten sowie weiteren, von Halm unerwähnt gelassenen Programm-Nummern gegeben werden. In der Einleitung werden Hinweise zu Halms Lebens- und Arbeitsverhältnissen gegeben und die Bedeutung der Konzertberichte für Halms Theorie der Musik erörtert.  

Die Arbeit an der Edition der Konzertberichte wurde zeitweise durch Mittel der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg gefördert. Beigetragen zur Erfassung und Erschließung des Materials haben Anne-Maria Hoelscher, geb. Hollmach, Florian Eisentraut, Hannes Reich, Astrid Bolay, Prof. Dr. Andreas Traub.  

Ein erster Bericht über die Konzertberichte wurde im Rahmen der Music Analysis Conference/Jahrestagung der Gesellschaft für Musiktheorie in Freiburg im Oktober 2007 gegeben (Referat Kabisch, Der Musiktheoretiker in der Oper).   

Sämtliche Aufsätze  

Halm hat 1916 einen Band mit Aufsätzen zusammengestellt und publiziert, die zeitlich und sachlich mit dem Hauptwerk Von zwei Kulturen der Musik verbunden sind (Von Grenzen und Ländern der Musik). 1978 erschien ein weiterer Auswahlband, herausgegeben vom Siegfried Schmalzriedt (Von Form und Sinn der Musik). Hier wird nun eine vollständige Edition in chronologischer Ordnung vorbereitet, die Querverbindungen zwischen thematisch unterschiedlichen Texten sowie Entwicklungslinien in Halms Ideen zur Musik sichtbar werden lässt.

Wissenschaftliche Arbeiten über Halm an der Trossinger Musikhochschule (abgeschlossene und laufende) 

Laufendes Dissertationsvorhaben

  • Veronika Jakob: Kritische Edition sämtlicher Aufsätze August Halms in chronologischer Folge.

Wissenschaftliche Hausarbeiten im Rahmen des Studiengangs Schulmusik

  • Florian Eisentraut, Die Konzertkritiken August Halms [1913/1914], MHS Trossingen 2003.
  • Christian Fickeis, Die Harmonielehre von August Halm (1900), MHS Trossingen 2004.
  • Hannes Reich, August Halm – Konzertberichte 1901-1903, MHS Trossingen 2008.

Einschlägige Publikationen des Projektleiters Th. Kabisch

  • Von Wundern, Sintfluten und öden Inseln. System und Geschichte im Denken August Halms, in: Th. Kabisch (Hrsg.), Festschrift für Aloys Kontarsky, Trossingen 1993, S. 50-54.
  • Musikgeschichte als Problemgeschichte, Musik als Projekt. Zur Musikanschauung August Halms, in: Musiktheorie 20/1, 2005.  
  • August Halm „Musikunterricht mit Hilfe des Klaviers“, mit Anmerkungen von Thomas Kabisch, in: EPTA-Dokumentation 2004/2005, Düsseldorf: staccato 2006.
  • Theorie der musikalischen Aufführung und Theorie der Musik. Über August Halms Konzertberichte, in: Musik in Baden-Württemberg, Jahrbuch 2010, München: Strube 2010.
  • Musik als „selbständiger Geist“ und gesellschaftliche Praxis. August Halms Instrumentalschulen als musikalische Kompositionen, in: Joachim Kremer (Hrsg.), Musik an den württembergischen Lehrerseminaren. Bericht der wissenschaftlichen Tagung anlässlich der Gründung des Esslinger Lehrerseminars im Jahre 1811, Neumünster: von Bockel 2015, S. 249-272.
  • Absolute Musik oder Autonomie des Musikalischen? Metaphysische Konzepte der Musik bei Ernst Bloch und August Halm, in: Matthias Henke, Francesca Vidal (Hrsg.), [Ton]Spurensuche. Ernst Bloch und die Musik, Siegen: universi 2016, S. 111-139.

Trossinger Symposien zu August Halm    

  • Instrumentalunterricht als Musikunterricht. August Halms Klavierübung (Februar 2005).
    Auswärtige Referenten: Prof. Linde Großmann (UdK Berlin), Martin Widmaier (PCK Mainz).  
  • Begründung und Grenzen musikalischer Analyse. August Halm und die „Institution Analyse“ (Dezember 2006).
    Auswärtige Referenten: Prof. Dr. Giselher Schubert (Hindemith-Institut Frankfurt/Main), Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen (Universität Zürich).