Das Trossinger Barockorchester

In den vergangenen zehn Jahren erarbeitete sich das Barockorchester der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen nahezu alle wichtigen Genres: Sinfonie, Concerto Grosso, Oratorium, Oper, Kantate, Ballettmusik, barocke Concerti für mehrere Instrumente sowie Solokonzerte mit Orchester. Geistliches und Weltliches wurde in allen erdenklichen Facetten musiziert und präsentierte sich einem begeisterten Publikum in der Region und weit darüber hinaus: Einladungen führten unter anderem nach Konstanz, Crailsheim, Bad Schussenried, Ludwigsburg (Schlossfestspiele) und nach Berlin (Oper unter den Linden).

Die Kritiken können sich sehen lassen: Stets werden Präzision des Klangkörpers und sein Esprit gelobt, aber auch die Feinsinnigkeit der Artikulation und der mitreißende Schwung. Das lebendige und doch geschlossene Klangbild des Orchesters begründet sich auf einer praxisorientierten, interdisziplinären Arbeitsform, die nicht nur institutionell mit ihrem hohen Anspruch Maßstäbe gesetzt hat. Nicht zuletzt dank eines umfassenden Hintergrund- und Detailwissens über Renaissance- und frühbarocker Musik gelingt eine gleichermaßen differenzierte wie leidenschaftliche Interpretation barocker und klassischer Werke. Es ist eine gemeinsam erlernte und gepflegte Musiksprache, die dieses Orchester vor manch anderem professionellen Klangkörper auszeichnet.

Dem pädagogischen Leitgedanken folgend, Studierende optimal auf die spätere, überwiegend freiberufliche Tätigkeit vorzubereiten, muss neben der solistischen und kammermusikalischen Interpretation der Fokus auch auf die Orchesterliteratur gerichtet werden. Der Berufsalltag verlangt den Absolventinnen und Absolventen eine professionelle Kompetenz in historischer Aufführungspraxis im Orchester ab, die es kontinuierlich und umfassend zu entwickeln gilt. Hier hat sich die Grundidee, möglichst alle Genres im Wechsel zu erarbeiten, bewährt. Auf diese Weise entsteht ein Überblick über die verschiedenen Techniken wie sie beispielsweise differenziert angewendet sein wollen um eine Gesangsstimme zu begleiten im Unterschied zu einem Cembalo, einer Oboe oder einer Violine. Eine große Palette an Fähigkeiten und sehr viel Fingerspitzengefühl sind gefragt. Das Erlernen dieser Techniken steht ebenso im Vordergrund wie die Expertise in historisch informierter Aufführungspraxis. Die Verwirklichung des Ideals eines Gesamtklanges bedeutet eine Gemeinschaftsleistung, die dem Einzelnen mitunter Zurückhaltung, ein hohes Maß an Flexibilität bei gleichzeitiger Hingabe abverlangt. Die Mischfähigkeit des eigenen Klangs mit anderen Instrumentenfarben, ein schnelles Reagieren zum Beispiel auf veränderte Akustik oder auch das Mit-Atmen innerhalb einer Phrase bei der Arbeit mit Sängern werden in den intensiven Arbeitsphasen vermittelt und trainiert.