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Prof. Manfred Schreier

Chorleitung/Chor

Der Schwerpunkt seiner musikalischen Arbeit liegt auf der Dar­stellung und Initiative zeitgenössischer Musik, einer Konzeption, die den Dirigenten gegenüber zeitgemäßem Kulturleben in dramaturgischer Verantwortung sieht. Schreier gründete maßgebliche Ensembles, bzw. initiierte besondere Konzertreihen sowohl in seinem langjährigen Arbeitsumfeld Stuttgart, als auch in der Region um seine Hochschulstätte Trossingen. Zahlreiche Erst- und Uraufführungen neuer Werke prägten den künstlerischen Weg mit den eigenen Ensembles, wie auch bei Gastdirigaten in Konzert- und Opernhäusern und internationalen Festivals. In einer zehnjährigen Reihe zum Kar­freitag in der Stuttgarter Stiftskirche, innerhalb seiner dortigen Ära als Bezirkskantor (1978 bis 1994) waren die Sinfonien Gustav Mahlers programmatische Schwerpunkte, paradigmatisch standen sie zusammen mit großen zeitgenössischen Werken für Chor und Orchester als Herausforderung an das «Unabgeschlossene und Ungebärdige» in der Tradition und das Befragen moderner ästhetischer Argumente. Neben Mahlers Sinfonien waren u.a. zu hören: Alban Bergs "Violinkonzert", Luigi Nonos "Canto sospeso" und  "Canti di vita e d`amore", Arnold Schönbergs "Jakobsleiter", Helmut Lachenmanns "Les Consolations", Luciano Berios "Sinfonia“ und „Labyrinthus II". Die Mahlerreihe hatte als Vorgänger Musik und "Wort zum Karfreitag", eine Kooperation mit dem damaligen Süddeutschen Rundfunk (Redaktion Gerhard Rein) und dem Evang. Bildungswerk Stuttgart. Die Live-Aufführung klassischer Oratorien durch die Ensembles des Bezirkskantors (Bachs Passionen und h-Moll-Messe, Brahms und Mozarts Requiem, Beethovens Missa solemnis) waren die Ausgangspunkte zu live gesprochen und gesendeten Reflektionen zeitgenössischer Kommentatoren, wie C.F. von Weizsäcker, Heinrich Albertz, Ehepaar Bethge, Alexandros Papaderos, Jörg Zink und Tobias Brocher, um nur einige zu nennen. 

Seit 1980 hat Manfred Schreier an der Musikhochschule Trossingen einen Lehrstuhl für Chorleitung inne, zugleich verantwortete er mehrfach zusätzlich die Arbeit mit dem Hochschulorchester. Die zweimalige Berufung an die Folkwang Musikhochschule Essen (in den 80er Jahren) und zur künstlerische Leitung der Kantorei Barmen-Gemarke an der Wuppertaler Immanuelskirche (1987 bis 1992) hatten die Entscheidung für seine baden-württembergische Wahlheimat nicht beeinflußen können. Bei gleichzeitig respektvoller Verantwortung an alle diese hochrangigen Kulturtäger ergab sich eine biografische Epoche intensiver Reisetätigkeit, die an allen Stellen zu hochgeschätzten und nachhaltigen künstlerischen Ergebnissen geführt hat.

1989 begann mit der halbszenischen Aufführung von Monteverdis "L'Orfeo" eine langjährige Zusammenarbeit mit den Stuttgarter Hofkonzerten, die alljährlich im Sommer vielbeachtete Opernproduktionen mit Manfred Schreier, seinen Ensembles und mit dem Regisseur Christof Loy herausbrachten. Nach Monteverdis "Poppea" und Mozarts "Zauberflöte" und "Don Giovanni" schloß diese Reihe 1996 mit Philip Glass' "The Fall of the House of Usher". Diese Arbeit und die Gründung des Ensembles Neue Vokalsolisten Stuttgart (1985) darf als Herzstück der 1978 von Schreier gegründeten Institution "Musik der Jahrhunderte" gesehen werden. Die instrumentalen Belange der reichen Uraufführungstätigkeit von MdJ wurde von dem ebenso neu geformten Instrumentalensemble "Varianti" geleistet, obgleich die vokale Pionierarbeit stets im Vordergrund der institutionellen Entwicklung stand. 2001 hat Schreier die künstlerische Verantwortung der Institution abgegeben.

In den letzten Jahren konzentriert sich die Arbeit Manfred Schreiers- aus der Sicht gereifter Altersweisheit- auf einen Schreibtisch, mit gelegentlichen Ausnahmen, dem Vorbild des ansäßigen GMD folgend, der ausschließlich seinem eigenen Hause, seinem Publikum und künstlerischen Personal, sprich auch den jeweiligen Studenten dient. Seine Projekte mit Hochschulchor und -Orchester haben prägenden Anteil an der künstlerisch-pädagogischen Arbeit der Musik-Hochschule Trossingen und in der Region. Mit der Gründung des Vereins «Euregio-T- Kultur e.V.» verfolgt Schreier das Ziel, die künstlerischen Ressourcen der Hochschule und ihrer Absolventen nachhaltig zu vernetzen. Aus diesem Arbeits-Klima und einem gewachsenen Pool von Instrumentalisten entstanden seit etwa dem Jahr 2000 die Ensembles Polyphonie T vocal und instrumental unter dem Dach des Vereins EUREGIO T KULTUR.

Dabei gehören musiktheatralische Werke, wie Mozarts Zauberflöte und Bernsteins West Side Story genauso ins Repertoire der Ensemble-Formationen, wie die Arbeit mit zeitgenössischen Komponisten. In diesem Sinne bildeten die Aufführungen von Dieter Schnebels "Dahlemer Messe" während der "Dreikönigsarbeitsphase" im Jahre 2003 einen ganz besonderen Höhepunkt in der Veranstaltungsreihe der Ensembles. Hier konnte die traditionelle Hochschulchorarbeit- (die traditionsreiche Dreikönigsarbeitsphase des Hochschulchores hat dabei das stattliche Alter von 25 Jahren erreicht)- mit den besonderen Qualitäten des Ensembles Polyphonie T vereinigt werden. Im Rahmen der Hochschulchorarbeit wurde ein weiteres Synergie betontes Modell mit einem Projekt zur Uraufführung des Oratoriums "De brevitate Vitae" von Ulrich Gasser in Kooperation mit der "Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz" im Mai 2006 verwirklicht; schließlich in Zusammenarbeit mit Chören der Region, dem Hochschulchor und dem Hochschulorchester entstand die Aufführung von Gustav Mahlers II. Sinfonie im Mai 2007. Längst haben sich mit einer Reihe regionaler Veranstalter enge Partnerschaften gebildet, die sowohl die Aktivitäten Schreiers als Hochschullehrer, wie des Leiters der Ensembles Polyphonie T kontinuierlich beanspruchen.

"Euregio-T Kultur e.V." als Träger der Arbeit hat seinen Sitz in einer besonderen Kultureinrichtung, dem "KUNSTWERK B" in Trossingen (auf dem ehemaligen Fabrikations-Areal der Firma Hohner), eine künstlerische Schnittstelle direkt vor den Toren der Hochschule; die räumliche Synergien widerspiegeln durchaus die inhaltlichen Potentiale.

Zeitgemäße, inhaltlich ambitionierte Programm-Dramaturgie siedelt Projekte sowohl in der engeren Region an, wie auch auf internationaler Ebene. Besondere Spielstätten werden erprobt und ungewöhnliche Publikumsquellen aktiviert. Im Sinne zukunftsoffener Arbeit am Kulturbild unserer Zeit setzt innovative Programmgestaltung mit der Musik unserer Zeit besondere Akzente. Die Nähe der Musikhochschule bietet umfangreiches kreatives Potential, das sich per­sonell in flexibler Besetzung der Ensembles, wie inhaltlich im direkten Austausch unorthodoxer Ideen und Impulse niederschlägt- Nährboden für ein offenes, unabgeschlossenes und künstlerisch fruchtbares Netzwerk zur Aktualisierung musikalischer Ideen in unserer Zeit.

In alphabetischer Reihenfolge, ohne die Namen vieler Wettebewerbsteilnehmer von Erstaufführungen des Stuttgarter Kompositionspreises, der Saarbrücker Komponisten-Werkstatt und anderer Aufträge verschiedener Institutionen (Musik der Jahrhunderte Stuttgart, Ars musica, Brüssel, Ircam, Paris, Wien modern, Warschauer Herbst uvam.):

Pierluigi Billone, Juan-Allende Blin, Hans-Jürgen von Bose, Sebastian Claren, Andreas Dohmen, Peter Eötvös, Moritz Eggert, Brian Ferneyhough, Ulrich Gasser, Philip Glass, Clytus Gottwald, Markus Hechtle, Manuel Hidalgo  , Alan Hilario, Klaus Huber, Nikolaus A. Huber, Adriana. Hölzsky, Michael Jarrel, Johannes Kalitzke, Sven- Ingo Koch, Helmut Lachenmann, Claus Steffen Mahnkopf, Bruno Mantovani, Isabel Mundry, Sergej Newski, Fabio Nieder, Karola Obermüler, Younghi Pagh-Paan, Paolo Perezzani, Mathias Pintscher, Wolfgang Rihm, Jürgen Weimer, Kaia Saariaho, Rebecca Saunders, Dieter Schnebel, Marco Stroppa, Athanasia Tzanou, Karola Obermüller, Wolfgang Rihm, Lucia Ronchetti, Salvatore Sciarrino, Mathias. Spahlinger, Caspar Johannes Walther, Fredrik Zeller, Hans Zender, Walter Zimmermann, uvam.


Telefon 0711/630033
Fax 0711/6368900
schreier[at]mh-trossingen.de

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