
Musiktheorie im Kontext. August Halm
August Halm (1869-1929)
ist heute bekannt als Mitbegründer der neueren Form musikalischer Analyse. Er selbst verstand sich in erster Linie als Komponist. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Musiklehrer (vorwiegend) an Reformschulen und als Musikschriftsteller.
Aus der Reihe seiner Buch-Publikationen seien genannt:
- die "Harmonielehre" aus dem Jahr 1900, die bereits einige wesentliche Elemente seines Musikbegriffs exponiert,
- das Hauptwerk, bestehend aus einem „Doppel-Buch“, nämlich aus den selbständigen Büchern "Von zwei Kulturen der Musik" (1913) und "Die Symphonie Anton Bruckners" (1914),
- eine "Einführung in die Musik" (1926) und die Monographie "Beethoven" (1927), in denen Halm seine Auffassungen in einigen Punkten modifiziert hat.
Halms musiktheoretische Einsichten wurden von Ernst Bloch, Theodor W. Adorno, Carl Dahlhaus, Rudolf Stephan und Anderen aufgenommen. Seine "Klavierübung" war vor dem Zweiten Weltkrieg in Süddeutschland ein gern benutztes Lehrwerk.
Das Forschungsprojekt "Musiktheorie im Kontext: August Halm" steht unter Leitung von
Prof. Dr. Thomas Kabisch.
Im Rahmen dieses Projekts
- wird erstens die kritische Edition wichtiger, auch bislang unveröffentlichter Schriften von Halm vorbereitet,
- wird zweitens Halms Theorie der Musik in ihren vielfältigen historischen Zusammenhängen untersucht.
Edition der Schriften August Halms
Die Bände der Edition werden, bis auf die Klavierübung, in der Publikationsreihe des Staatlichen Instituts für Musikforschung Berlin erscheinen. Folgende Bände sind in Vorbereitung:
Konzertberichte 1901-1903 und 1913/1914
Diese Texte sind seit ihrer Erstpublikation in Stuttgarter Zeitungen nicht wieder gedruckt worden. Die Konzertberichte 1901-1903 waren gar völlig in Vergessenheit geraten und bis zu ihrer Wiederentdeckung im Zuge der editorischen Arbeiten 2006 auch der Forschung unbekannt. Sie sind von Interesse als Dokumente einer Art von Musikkritik, in der die Musik im Zentrum steht – nicht die Interpreten. Sie sind zugleich eine Quelle für das Verständnis der Halmschen Theorie der Musik, etwa seines Bruckner-Bildes.
Die Edition der Texte ist von einem umfangreichen Kommentarteil begleitet, in dem Varianten aus handschriftlichen Fassungen mitgeteilt, Hinweise zu Ausführenden, Aufführungsorten sowie weiteren, von Halm unerwähnt gelassenen Programm-Nummern gegeben werden. In der Einleitung werden Hinweise zu Halms Lebens- und Arbeitsverhältnissen gegeben und die Bedeutung der Konzertberichte für Halms Theorie der Musik erörtert.
Die Arbeit an der Edition der Konzertberichte wurde zeitweise durch Mittel der Gesellschaft für Musikgeschichte in Baden-Württemberg gefördert. Beigetragen zur Erfassung und Erschließung des Materials haben Anne-Maria Hoelscher, geb. Hollmach, Florian Eisentraut, Hannes Reich, Astrid Bolay, Prof. Dr. Andreas Traub.
Ein erster Bericht über die Konzertberichte wurde im Rahmen der Music Analysis Conference/Jahrestagung der Gesellschaft für Musiktheorie in Freiburg im Oktober 2007 gegeben (Referat Kabisch, Der Musiktheoretiker in der Oper). -
Klavierübung
Die Anfänge der Klavierübung lassen sich zurückverfolgen in die Zeit nach 1903, als Halm an reformpädagogischen Schulen in Thüringen als Musiklehrer tätig war. Sie erschien 1918/19 im Druck und stellt den Glücksfall eines Unterrichtswerks dar, in dem der Umgang mit dem Instrument, das Eindringen in die Grundlagen der Musik und die Arbeit an Kunstwerken verbunden sind. (In einer Neufassung, die 1928 erscheint, ist das ursprüngliche Konzept verwässert.)
Halms Klavierübung kann auch heute von erwachsenen Anfängern oder von Studenten, die Klavier als Nebenfach studieren, mit Gewinn benutzt werden. Sie wird als Reprint erscheinen mit begleitenden Texten zur praktischen Benutzung (Martin Widmaier), zu ihrer Stellung in der Geschichte der Klavierdidaktik (Linde Großmann) sowie zu Quellen und musiktheoretischen Kontexten (Thomas Kabisch).
Sämtliche Aufsätze
Halm hat 1916 einen Band mit Aufsätzen zusammengestellt und publiziert, die zeitlich und sachlich mit dem Hauptwerk Von zwei Kulturen der Musik verbunden sind (Von Grenzen und Ländern der Musik). 1978 erschien ein weiterer Auswahlband, herausgegeben vom Siegfried Schmalzriedt (Von Form und Sinn der Musik). Hier wird nun eine vollständige Edition in chronologischer Ordnung vorbereitet, die Querverbindungen zwischen thematisch unterschiedlichen Texten sowie Entwicklungslinien in Halms Ideen zur Musik sichtbar werden lässt.
Wissenschaftliche Arbeiten über Halm an der Trossinger Hochschule (abgeschlossene und im Entstehen begriffene)
Dissertationsvorhaben
Astrid Bolay: Kriterien der Musikbewertung im musiktheoretischen Schaffen von August Halm (Arbeitstitel)
weitere Informationen s. Kurzbeschreibungen Dissertationsvorhaben
Wissenschaftliche Hausarbeiten im Rahmen des Studiengangs Schulmusik
Christian Fickeis (2004), Die Harmonielehre von August Halm (1900)
Florian Eisentraut ###
Hannes Reich (2008), August Halm – Konzertberichte 1901-1903.
Publikationen
Thomas Kabisch, Musikgeschichte als Problemgeschichte, Musik als Projekt. Zur Musikanschauung August Halms, in: Musiktheorie 20, 2005; Heft 1.
August Halm „Musikunterricht mit Hilfe des Klaviers“, mit Anmerkungen von Thomas Kabisch, in: EPTA-Dokumentation 2004/2005, Düsseldorf 2006.
Trossinger Symposien zu August Halm
Instrumentalunterricht als Musikunterricht. August Halms Klavierübung (Februar 2005).
Auswärtige Referenten: Prof. Linde Großmann (UdK Berlin), Martin Widmaier (PCK Mainz).
Flyer Symposium 2005 (pdf)
Begründung und Grenzen musikalischer Analyse. August Halm und die „Institution Analyse“ (Dezember 2006).
Auswärtige Referenten: Prof. Dr. Giselher Schubert (Hindemith-Institut Frankfurt/Main), Prof. Dr. Hans-Joachim Hinrichsen (Universität Zürich).
Flyer Symposium 2006 (pdf)
Lehrveranstaltungen über August Halm an der Trossinger Hochschule
Sommersemester 2002: Musiktheorie im 20. Jahrhundert – August Halm
Wintersemester 2003-2004: August Halm und Gustav Wyneken
Sommersemester 2005: Musiktheorie in der Klemme – zwischen Komposition, Tonsatz und Theorie der Musik
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