
Dissertationen
Dissertationsvorhaben Christoph Scheerer
Das Verhältnis von c und ¢ vom 15. bis zum Beginn des 17. Jahrunderts. Eine Untersuchung zum Verständnis und Gebrauch der beiden Mensurzeichen in Theorie und Praxis
In seinem Dissertationsvorhaben befasst sich Christoph Scheerer mit der Bedeutung des so genannten Diminutionsstrichs von seinem Aufkommen bis zur Entwicklung des modernen Taktsystems, in dem er heute vom „Alla-breve-Takt“ her noch bekannt ist. Die Arbeit untersucht dabei sowohl die musikalischen Quellen, in denen der Diminutionsstrich Verwendung findet, als auch die Aussagen dazu, die in zeitgenössischen musiktheoretischen Traktaten getroffen werden. Die Spannungen, die zwischen beiden Quellentypen und innerhalb der Quellentypen selbst bestehen, sind ursächlich dafür, dass die moderne Aufführungspraxis von Musik aus dem untersuchten Zeitraum immer wieder vor dem Problem der korrekten Deutung des Diminutionsstrichs steht. Diese Spannungen zu erhellen und womöglich aufzulösen sowie Lösungsvorschläge für eine den Quellen entsprechende Aufführung dieser Musik zu bieten, ist das Ziel der Dissertation.
Die Arbeit wird von Prof. Dr. Nicole Schwindt betreut.
Dissertationsvorhaben Astrid Bolay
Kriterien der Musikbewertung im musiktheoretischen Schaffen von August Halm (Arbeitstitel)
Mein Dissertationsprojekt stellt einen Beitrag zur Theorie der musikalischen Analyse dar. Musikalische Analyse, wie sie heute gelehrt und praktiziert wird, hat durch den Musiktheoretiker August Halm (1869-1929) entscheidende Impulse erfahren. In meiner Arbeit erforsche und beschreibe ich die gedanklichen Strukturen und Prozesse, derer sich die spezifisch „Halmsche“ Ausprägung musiktheoretischen Denkens bedient bzw. auf denen sie basiert. Insofern aber heutiges musikanalytisches Denken Halms Musiktheorie zur Voraussetzung hat, steht am Horizont meiner Untersuchung stets auch die Frage nach jenen kollektiven Vorannahmen und unbewussten Denkstrukturen, die unser eigenes Musikverständnis steuern.
Halm hat in seinen Analysen immer versucht, tonale Musik nicht nur zu beschreiben, sondern auch zu bewerten. Häufig beurteilt er musikalische Verläufe dann als gelungen, wenn diese sich analog zu bestimmten außermusikalischen Prozessen – z.B. physikalischer oder emotionaler Art – verhalten. Diese Kriterien werden von Halm normalerweise nicht expliziert, sondern sie verbergen sich in dem Netz von Metaphern, dass er zur Beschreibung musikalischer Ereignisse verwendet. Um also Halms Bewertungskriterien zu durchschauen, muss man seine Metaphern analysieren, muss man untersuchen, wie die Assoziationsfelder, die mit seinen metaphorischen Ausdrücken verknüpft sind, an die musikalischen Gegebenheiten „andocken“.
Jene externen Vorstellungen, die Halm im Zuge seiner ästhetischen Bewertungen als Maßstäbe anlegt, sind meistens gerade noch so abstrakt gehalten, dass der Verdacht, hier würde einer programmatischen Musikauffassung das Wort geredet, nicht aufkommen kann. Auf der Basis dieses Befundes, so scheint es, muss die Frage danach, wie „musikintern“ eine aussagekräftige musikalische Analyse eigentlich sein kann, neu gestellt, muss das Verhältnis von „strukturalistischer“ zu „hermeneutischer“ Musikauffassung reformuliert werden.
Betreuung: Prof. Dr. Thomas Kabisch
Informationen zur Promotion an der Musikhochschule Trossingen
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