Trossinger Musikdesignstudent Felix Barbarino für Rolf-Hans-Müller-Preis nominiert

Der Rolf-Hans-Müller-Preis, der sich speziell an Nachwuchskomponisten wendet, wird nur alle zwei Jahre vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Neben Felix Barbarino sind zehn weitere Einreichungen für den renommierten Preis nominiert – größtenteils Produktionen großer kommerzieller bzw. öffentlicher rechtlicher Produktionsgesellschaften. Eine 7-köpfige Jury wählt aus den eingegangenen Vorschlägen den Gewinner des Preises. Das Preisgeld wird zu gleichen Teilen von der MFG und der Rolf-Hans Müller Stiftung bereitgestellt. Am 21. November 2014 wird der Filmmusik-Preis im Rahmen des Fernsehfilm-Festivals Baden-Baden vergeben. Die Laudatio hält Dr. Joachim Lang, Abteilungsleiter Sonderprojekte Musik & Theater des SWR.


Über Felix Barbarino:

Felix Barbarino wurde 1989 in Mannheim geboren. Als Kind lernte er an der Musikschule die Instrumente Klavier und Konzertgitarre und brachte sich später autodidaktisch Schlagzeug und E-Gitarre bei. Er spielte zunächst in einigen Bands, widmete sich dann aber während seines Erststudiums (Musikwissenschaft) immer mehr dem Komponieren für Kurz- und Werbefilme. Seit 2012 arbeitet er als freiberuflicher Komponist für Film und Medien und seit Oktober 2013 studiert er im Studiengang Musikdesign an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen in Kooperation mit der Hochschule Furtwangen University.


Felix Barbarino im Gespräch:

Was konkret war Ihr Part im Filmprojekt „Lautlose Flucht – The Last Deaf“?

Ich habe für den Film die insgesamt ca. einstündige Musik komponiert und produziert. Da der Regisseur selbst nicht hören kann, konnte er mir nur sehr ungenaue Angaben zur Musik mitteilen. Meine Aufgabe bestand dann auch darin, eigenständig zu überlegen, in welchen Szenen wann Musik einsetzen und wieder aufhören soll. Das war völlig neu für mich, da ich zuvor nur Kurzfilme vertont habe, die natürlich allein längenbedingt schon viel weniger Möglichkeiten bieten.

Anschließend habe ich die Musik in meinem Heimstudio komponiert und ausproduziert. Ich bin immer ein Freund von Mischproduktionen, bei denen am Ende nicht alles nur aus dem Rechner kommt. Daher habe ich während des Komponierens schon viel mit der E-Gitarre experimentiert und aufgenommen sowie am Ende Percussion eingespielt und ein Cello aufgenommen. Da der Film ein sehr niedriges Budget hatte, konnte ich beim Komponieren kein Live-Orchester einplanen.

Was macht das Projekt so außergewöhnlich?

Das Besondere ist, dass ich einerseits völlig frei arbeiten konnte, andererseits auf einen wichtigen Aspekt Rücksicht nehmen musste: Gehörlose können Musik wahrnehmen, indem sie tiefe Bassfrequenzen spüren. Zugegeben, das verspricht viel Raum für Experimente. Da der Film aber Gehörlose und Hörende gleichermaßen ansprechen sollte, entschied ich mich für einen doch eher konventionellen Weg. So klingt die Musik auf den ersten Blick vielleicht recht ‚normal‘, außer dass ab und zu der Bass grummelt und es sogar ein Leitmotiv gibt, dass ausschließlich aus tiefen Basstönen besteht. Den eigentlichen Bassanteil bekommt man aber wohl eher im Kino zu spüren, da in der Surroundmischung ein eigener Kanal (und Lautsprecher) für den Bass zur Verfügung steht und ich mit dem Sounddesigner entschied, nachträglich bei der Mischung an gewissen Stellen tieffrequente Bässe hinzuzufügen.

Ihr Fazit?

Flapsig auf den Punkt gebracht: „Viel Bässe, viel Freiheit...“ Ach ja: eine besondere Bedingung war sicherlich, dass es eben kaum finanzielle Mittel gab. Ich wollte aber auch keine reine Computerproduktion. Es wurden dann am Ende zwar doch mehr Sampler-Instrumente integriert, als ursprünglich gewollt, aber in den meisten Tracks sind immer auch echte Instrumente zu hören. Und wenn man einen Synthesizer hört, ist es manchmal auch eine E-Gitarre, die mittels Software zu einer Klangfläche verarbeitet wurde… Insgesamt bin ich wirklich froh, bei diesem Projekt dabei gewesen zu sein. Es war eine super Erfahrung und ich darf mich wohl glücklich schätzen, dass „mein erster Kinofilm“ ein solch außergewöhnliches Projekt darstellt.