Landeszentrum Musik-Design-Performance zu Gast beim IRCAM in Paris
von Prof. Thorsten Greiner

Studenten und Professoren der Musikhochschule Trossingen waren zu Gast beim IRCAM in Paris und folgten damit einer Einladung des Kooperationspartners des Landeszentrum Musik-Design-Performance. Dabei hatte sie Gelegenheit beim Festival „Mutations Creations“ und dem integrierten Innovationsforum „Vertigo“ des IRCAM in Paris aktuelle Entwicklungen und Zukunftsvisionen rund um Musik, Design und Technologie hautnah mitzuerleben. Ein Konzept, das verschiedene Disziplinen wie Ingenieurswissenschaften, Design, Musik und Kunst zusammenbringt und gemeinsam zukünftige Szenarien erlebbar und diskutierbar macht. Ein Vorbild für das Landeszentrum?

Vom 15. bis 18. März fand in Paris im Rahmen des Festivals „Mutations Creations“ das Innovationsforum „Vertigo“ statt. Das Insitute de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) und das Museum Centre Pompidou organisieren dieses Festival gemeinsam. Ein siebenköpfiges Team des Landeszentrums war eingeladen als Kooperationspartner des IRCAM vier Tage das volle Spektrum des IRCAM in Vorträgen, Installation und Performances mitzuerleben.

Neben den Ausstellungen von interaktiven und künstlerischen Arbeiten sowie technologischen Workshops im Rahmen des Festivals, wurde ein neues europäisches Kunst- und Innovationsforum ins Leben gerufen, „Vertigo“. An vier Tagen präsentierten hochkarätige Redner aus den Bereichen Musik, Kunst, Design, sowie Ingenieurwissenschaften und Architektur ihre Arbeiten. Die Akteure realisierten ihre Arbeiten immer in Verbindung mit digitalen Technologien, und das auf höchstem Niveau.Teilweise etablierten sich die Akteure auch als Unternehmer in ihren Feldern.

Die Kuratoren von Vertigo sind Frank Madlener, Direktor des IRCAM, Hugues Vinet, wissenschaftlicher Direktor des IRCAM, Frédéric Migayrou, Direktor Centre Pompidou und Marie-Ange Brayer, Kuratorin und Leiterin der Abteilung Design et Industrial Prospective, Mnam/Cci-Centre Pompidou. Die Verbindung von Kunst, Design, digitalen Werkzeugen und Unternehmergeist war von den Kuratoren bewusst gewählt. Denn Ziel war es, Persönlichkeiten zusammenzubringen, die unsere Gegenwart ändern und herausfordern. Dieses Konzept hat auch Maelle Ludwig, Musikdesign Studentin in Trossingen beeindruckt: „Die ganze Energie die hier zu spüren ist durch die unterschiedlichsten Personen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen, Architekten, Maker, Sounddesiger, aber auch IRCAM Forscher, die sich mehr mit der wissenschaftlichen Seite beschäftigen und an neuen Softwareprogrammen arbeiten, hat mich beeindruckt.“

Der erste Tag von „Vertigo“ stand ganz im Zeichen von Architektur, 3D Konzeption und Musik. Dabei stellt z.B. Gilles Retsin eine Kombination aus Roboter und 3D-Drucker vor. Dieser ermöglicht es, mithilfe von Algorithmen, kunstvolle Möbeln und Rauminterieur zu gestalten, die wiederum die industrielle Fertigung inspirieren.

Tag 2 setze den Schwerpunkt auf Simulationen und Virtual Reality. An diesem Tag stellte z.B. die Komponistin Olga Neuwirth ihre Komposition „Le Encantadas“ vor, in der Sie die simulierte Akustik der San Lorenzo Kirche aus Venedig benutze um sich eine eigene Akustik für Ihre musikalischen Prozesse zu schaffen. Das IRCAM konservierte die akustischen Eigenschaften der Kirche mithilfe ihrer neusten Raumklangtechnologien. Die Komponistin kreierte eine Komposition für die besonderen akustischen Eigenschaften der Kirche. Diese Komposition wurde dann im Rahmen eines realen Konzertes in Paris mit Musikern aufgeführt und mit den digital konservierten akustischen Eigenschaften der Kirche in Szene gesetzt.

Der dritte Tag beschäftige sich mit der Maker Szene, Design und Morphogenese. Ein Themen Panel beschäftigte sich z.B. mit neuartigen Musikinstrumenten. Diese ermöglichen Künstlern z.B. durch den Einsatz von Sensorik eigene Bewegungsmuster zu akustisch dazustellen. Weiterhin wurde der Maker-Space „La Nouvelle Fabrique“ vorgestellt.

Am vierten Tag war der Fokus auf dem Aspekt, wie Kreative mit digitalen Technologien neue soziale, ökonomische und politische Möglichkeiten entwickeln. Dr. Habil. Rainer Bayreuther, Dozent an der Musikhochschule in Trossingen nimmt viele Fragen mit nach Hause: „Es scheint eine ganz neuartige Vermischung von künstlerischem Schaffen und wissenschaftlicher Forschung im Gange zu sein wie wir in Zukunft mit Sound umgehen. Und dazu müssen wir uns in Trossingen ebenfalls unsere Gedanken machen.“

Der Ansatz von „Vertigo“ ist bemerkenswert: Herannahende technologische und daraus folgende gesellschaftliche Entwicklungen nicht abzuwarten, sondern an der Spitze der Entwicklungen mit künstlerischer Ansätze mitzugestalten, auch wenn z.B. „Das Internet der Dinge“ oder „Industrie 4.0“ auf den ersten Blick nichts mit Musik, Komposition und Performances zu tun haben. Der Ansatz ist hier die Vernetzung des IRCAM, in dessen Arbeiten seit langem Ingenieurskunst, Softwareentwicklung, Komposition, Performance, Ausstellung, Theater, Oper und Musik zusammenfließen, mit den Vorreitern der neue digitaler Entwicklungen zusammen zu bringen.

Damit werden zukünftige Szenarien und disruptive Entwicklungen vorstellbar, erlebbar und diskutierbar. Dieser Ansatz könnte für das Landeszentrum Musik Design Performance Vorbildcharakter haben. Als Fazit kann man festhalten, dass der Gedanke an die Zukunft, und die Frage wie könnte Technologie uns beeinflussen nur an ganz wenigen Orten auf der Welt bearbeitet werden. Wir haben mit unserer Kooperation mit dem IRCAM die einmalige Möglichkeit nicht nur Technologien auf höchstem Niveau zu nutzen, sondern auch konzeptionelle Überlegungen einfließen zu lassen, wie sich Musik, Design und Performance in unserer digitalen Zukunft entwickeln werden.