Strategien der Nähe im virtuellen Hörsaal - Gastvortrag lockt 75 Studierende

Aufgrund der aktuellen Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie ist auch an der Musikhochschule Trossingen zum Start des Sommersemesters nicht an einen regulären Hochschulbetrieb zu denken. Stattdessen wird erst einmal verstärkt auf Fernunterricht über Videokonferenzen und Online-Lehre gesetzt. Besonders im künstlerischen Bereich sind dieser Unterrichtsform Grenzen gesetzt. Dass digitale Formate aber auch lehrreich lehrreich und unterhaltsam zugleich sein können, zeigte zuletzt ein bestens besuchter Gastvortrag, der via Videokonferenz durchgeführt wurde.

Auf Einladung des Landeszentrums MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE präsentierte der Berliner Kulturmanager und Konzertgestalter Folkert Uhde am vergangenen Dienstagnachmittag unter dem Titel „Konzertdesign –Strategien der Nähe“ seine Ideen zur Neugestaltung der Konzertform und lockte damit 75 Studierende, Hochschullehrer und weitere Gäste in den virtuellen Hörsaal. Uhde gehört zu den wichtigsten Stimmen, wenn es um die kreative Entwicklung neuer künstlerischer Formate und Projekte, insbesondere für die Aufführung Klassischer Musik, geht. Unter anderem gründete er 2006 gemeinsam mit Jochen Sandig das inzwischen international etablierte RADIALSYSTEM V als „New Space for the Arts in Berlin“ und entwickelte und produzierte für ARTE, 3SAT und ZDF.kultur Film- und Fernsehproduktionen im Bereich klassischer Musik.

Auf Grundlage einer fundierten Analyse von Konzertsituationen aus verschiedenen Perspektiven, insbesondere auch der sich verändernden Publikumserwartungen, entwickelte Uhde seinen Begriff des Konzertdesigns, der sich im öffentlichen Diskurs über die Zukunft der Klassischen Musik durchgesetzt hat. Anhand von Beispielen seiner Arbeiten wie z.B. der dreidimensionalen Musikperformance „Inside Partita“, erläuterte er in seinem Vortrag, wie Künstler unter anderem durch den Umgang mit dem Konzertraum, durch Licht, Dramaturgie und Inszenierung sowie der Verbindung von akustischem und elektroakustischem Klang ein neues Konzerterlebnis schaffen können.

An der Musikhochschule Trossingen wird nicht zuletzt durch das Landeszentrum MUSIK–DESIGN–PERFORMANCE seit mehreren Jahren an Innovationen in künstlerischer Praxis, Forschung und Lehre im digitalen Zeitalter gearbeitet. Dabei ist es insbesondere ein Ziel, auch im klassischen Musikstudium Zugänge zu neuen Konzertformaten und musikalischen Ausdrucksformen zu bieten. Wie wichtig die Aufgabe ist, dabei auch über „Strategien der Nähe“ für virtuelle Konzerterlebnisse im digitalen Raum nachzudenken, dafür liefert uns die aktuelle Phase des wochenlangen „Lockdowns“ mit geschlossenen Konzerthäusern beste Beweise.


MH Trossingen